Fachmann Dr. Primus

Dr. Günter Primus ist Dozent an der Universitäts-Klinik für Urologie am LKH Graz. Er beantwortet hier die häufigsten Fragen zum Thema Bettnässen.

Dr. Primus absolvierte sein Studium der Humanmedizin an der Grazer Karl-Franzens-Universität. Seit 1993 ordiniert er an der Universitäts-Klinik für Urologie in Graz. Neben seiner Tätigkeit als Mitglied nationaler und internationaler Fachgesellschaften (z. B. Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie, Vorstandsmitglied der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich) ist Dr. Primus
Gastoperateur im In- und Ausland und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen. Er ist außerdem Begründer des weltweit einzigartigen Enuresis-Camp (ein speziell für bettnässende Kinder entwickeltes Ferienlager), das einmal jährlich in der Steiermark stattfindet.

Frage: Mein Kind ist 5 Jahre alt und nässt nachts immer noch ein.
Was kann ich dagegen tun, wie kann ich meinem Kind helfen?

 

Antwort: Am vernünftigsten wäre es, mit dem betroffenen Kind unverzüglich einen Urologen oder Kinderarzt aufzusuchen. Der Arzt wird dann Ihr Kind vollkommen schmerzfrei untersuchen, ein paar Fragen stellen und eine für Ihr Kind entsprechende Behandlung vorschlagen.

 

Frage: Mein Kind ist 6 Jahre alt und war bereits trocken. In letzter Zeit macht es nachts wieder ins Bett. Was kann der Grund sein und wie kann ich meinem Kind helfen das Problem in den Griff zu bekommen?

 

Antwort: Bei Ihrem Kind handelt es sich um ein so genanntes sekundäres Bettnässen. Von einem sekundären Bettnässen spricht man, wenn das Kind bereits mindestens 6 Monate ununterbrochen trocken war. Es besteht kein Grund zur Panik. Häufig liegen die Ursachen des neuerlichen Einnässens im emotionalen Bereich, z.B. die Geburt eines Geschwisterteiles, Schuleintritt/-wechsel, Scheidung, Trennung der Eltern oder Ortswechsel. Hierbei hilft meistens ein ruhiges Gespräch mit dem Kind. Bei besonders hartnäckigen Fällen ist das Hinzuziehen eines Arztes zu empfehlen.

 

Frage: In der Schule meines Sohnes steht ein Schulausflug mit Übernachtung am Programm. Da er manchmal noch einnässt und sich dafür schämt möchte er daran nicht teilnehmen. Wie kann ich ihm helfen?

 

Antwort: Ihr Sohn soll auf jeden Fall am Schulausflug teilnehmen. Am besten Sie suchen unverzüglich einen Urologen oder Kinderarzt auf, damit er Ihrem Sohn für diese "Notsituation" die entsprechenden Medikamente verordnet. Bei etwa 70-80% der bettnässenden Kinder wirkt eine entsprechende Behandlung sofort und zuverlässig. Als schnelle und einfache Hilfe bieten DryNites® Pyjama Unterhöschen zusätzlichen Schutz bis er völlig trocken ist.

 

Frage: Was ist Blasentraining?

 

Antwort: Unter Blasentraining versteht man, dass das Kind bei Auftreten eines Harndranges versuchen soll nicht sofort die Toilette aufzusuchen, sondern den Harndrang möglichst lange zurückzuhalten, um auf diese Weise die Blasenkapazität zu steigern. Diese Verhaltenstherapie eignet sich aber nicht für das einfache Bettnässen, sondern für Kinder, die unter einer kindlichen Dranginkontinenz leiden. Kinder, welche ausschließlich vom nächtlichen Bettnässen betroffen sind und keine Tagessymptomatik aufweisen, haben normalerweise eine völlig unauffällige Blasenfunktion und benötigen daher auch kein Blasentraining.

 

Frage: Was genau ist die "Kalendermethode" (Führung eines Fortschritt-Kalenders)?
In welchem Stadium ist das sinnvoll?

 

Antwort: Mittels der "Kalendermethode" werden die Erfolge, das heißt die trockenen Nächte, in einen speziellen Kinderkalender eingetragen und auf diese Art und Weise dem Kind ein positives Feedback und Motivation vermittelt. Das Kind kann in diesen Kalender die trockenen Nächte zum Beispiel mit einer strahlenden Sonne und die nassen Nächte mit einer Regenwolke eintragen. Für die Eltern und den Arzt eignet sich diese Kalendermethode optimal zur Überprüfung der Behandlung. Die Kalendermethode kann in jedem Stadium angewandt werden, ist aber naturgemäß bei jüngeren Bettnässern beliebter als bei älteren oder Jugendlichen.

 

Frage: Mein 7-jähriger Sohn macht nachts immer noch ins Bett. Alle Versuche mit ihm über das Problem zu sprechen sind bisher gescheitert. Wie soll ich weiter vorgehen?

 

Antwort: Für Ihren Sohn ist das nächtliche Einnässen ein großes Problem für das er sich offenbar sehr schämt. Am vernünftigsten wäre es professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und unverzüglich einen Urologen oder Kinderarzt zu konsultieren. Fachleute sind geübt im Umgang mit tabuisierten Problemen und es gelingt ihnen auch meistens problemlos einen Zugang zum Betroffenen zu finden und die richtige Behandlung einzuleiten.

 

Frage: Meine Tochter ist 7 Jahre alt und vergisst z.B. beim Spielen rechtzeitig die Toilette aufzusuchen. Was kann die Ursache sein? Wie können wir das Problem lösen?

 

Antwort: Häufig sind Kinder in ihrem Spielen so stark vertieft oder wollen ein angefangenes Spiel nicht durch einen Toilettengang unterbrechen und sind dann bei sehr starkem Harndrang oft nicht mehr in der Lage den Harn zurückzuhalten. Am besten ist es dem Kind klar zu machen, dass es bei Auftreten des Harndranges die Toilette aufsuchen muss, um nicht Gefahr zu laufen einzunässen. Sollte das Einnässen trotzdem nicht aufhören, ist unbedingt eine weitere Abklärung beim Urologen oder Kinderarzt zu machen.